Wirklich große Kräne

Wo Kräne stehen, da mag ich gerne sein. Kräne, solche Baukräne.

Ich verstehe sie schon technologisch nicht. Vielleicht denke ich auch nur zu kompliziert, ganz der Ingenieur, der ich bin. Stahlrohr wächst hundert Meter in die Höhe und steht dabei auf einem winzigen Sockel, der im direkten Vergleich geradezu wie eine Briefmarke erscheint. Wie konträr zu allen physikalischen Gesetzen alleine das schon erscheint.

Und als wäre das noch nicht genug, kragt der Ausleger oben wiederum einhundert Meter nach vorne. Wenn ein Kran ein Mensch wäre, wäre er schon längst vornüber gekippt. Und auf die Schnauze gefallen. Aber den Kran ficht das nicht an.

Denn als Gegengewicht balanciert er auf der Rückseite mehrere Tonnen Betongewicht. Wie kommen die bis ganz dort oben hin? Nach den einfachsten Grundregeln der Mechanik hat der Kran eine viel höhere Last zu tragen, wenn er ein Gewicht ganz außen an seinem Aufleger hochhebt, als wenn er es nahe seinem Turm hochhebt. Warum reicht aber trotzdem nur dieses eine Gewichtspaket, ohne dass es geändert werden muss?

Süß ist aber, dass das Ding, an dem das Seil hängt und das oben hin und her fährt, Katze heißt. Das erfreut mein Katzenliebhaberherz. Dann stelle ich mir vor, wie unsere erste Katze in der Küche hinter der Eckbank saß und mit ihrer Pfote über die Lehne tastete. Also wie beim Kran, nur anders herum.

Ernstgemeinte Ver- und Bewunderung ob der Technologie von Baukränen.

Aber auch Verwunderung (oder ist es nur Verklärung?) in Hinblick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen von Kränen. Wo Kräne stehen und ihre Kräfte spielen lassen, da passiert etwas. Da geschieht Veränderung. Und was könnte es Schöneres geben? Ohne Veränderung kein Fortschritt.

World Trade Center, Elbphilharmonie, Kaiserplatzgalerie – überall stehen und wandern und klettern die Kräne in die Höhe, greifen Hand in Hand, setzen Stein auf Stein. Bald wird alles neu und schön sein, und die Menschen werden sich freuen.

Aus meinem Badezimmerfenster kann ich acht Kräne sehen. Früh morgens drehen sie sich schon, wenn ich aufstehe, und abends leuchten sie mir mit ihren Signallampen in der Dunkelheit. Wir verstehen uns.

Kennst Du einen Kranführer? Ich möchte das gerne erklärt bekommen. Dank ist gewiss. Vielleicht mag er mich auch mit nach oben in seine Kranführerkabine nehmen, sodass ich mir von dort oben meine Stadt im Wandel betrachten kann?

Oder wir treffen uns zum Baustellenschauen? So spannend wie Netflix ist das sicherlich! Wie die Arbeiterinnen und Arbeiter über die Baustelle jagen und peu à peu ihr Kunstwerk vollbringen. Wie die Gebäude langsam wachsen und Hoffnung bringen. Wie zum Schluss die Wände in bunten Farben strahlen und mit Bäumen und Sträuchern ein Stück Natur zurückkommt. Wer das nicht super findet, kann mein Freund nicht sein.

Was auch gut ist an neuen Gebäuden: Alles kann völlig nach Wunsch gestaltet werden. Alle Räume, alle Dächer und Keller. Stell Dir doch nur mal vor, wie intuitiv es wäre, auf das höchste Gebäude … ok, auf das höchste Gebäude kommt gar nichts außer ein Palmengarten, um im Sommer dort zu verweilen, und ein Raum von Glaswänden umgeben, um im Winter dort zu verweilen. Von ganz oben möchte ich die Stadt betrachten. Städte von oben liebe ich immer noch so sehr!

Dann eben auf das zweithöchste Gebäude. Dort darf sich eine Familie Flugsaurier niederlassen. Wir bereiten alles vor, sodass sie sich ein wohliges und gemütliches Familiennest einrichten können. Ich weiß zwar noch nicht, was Flugsaurier fressen (eine Paläontologin zu fragen ist nur bedingt hilfreich, schließlich leben wir im Hier und Jetzt und nicht mehr in der Vorzeit). Doch Menschen fliegen zum Mars, da sollte es ein Leichtes sein, Nahrung für Flugsaurier zu besorgen, und sei sie noch so außergewöhnlich.

Ebenso außergewöhnlich wäre es, draußen in der Grünanlage, innen in den Häusern und Gebäuden und natürlich oben auf dem Dach, zumindest auf dem Ausblickdach, Pools einzurichten. Wasser gehört einfach zum urbanen Dschungel dazu! Ingenieurstechnisch kniffelig wird es dadurch, dass alle Pools miteinander verbunden sind. So können wir ganz Lara-Croft-mäßig durch über- und unterirdische Kanäle schwimmen. Just for the fuck of it. Oder auch, um zur Arbeit zu kommen.

Haie werden in den Gewässern schwimmen. Delphine? Hat ja wohl jeder und seine Mutter! Abgerichtete Haie dagegen bringen dieses gewisse exotische Flair in den Alltag. Sind mindestens so schlau wie Delphine, strahlen eine ganze eigene Anmutung aus, und im verteidigungsmilitärischen Ernstfall sind sie ein gar gewichtiger Teil der Wasserstreitkräfte. Nachwachsende Zahnreihen! Hat man schon mal Zombies mit nachwachsenden Beinen gesehen? Niemals! Wenn ab, dann ab! Haie dagegen …

Eine alberne Idee? Den Spaß ist es allemal wert!

Für die Zombie-Apokalypse sind wir also vorbereit. Infrastrukturell, individuell und auch intellektuell. Denn in den Kellern, Gängen und Katakomben ist ausreichend Platz für Lagerstätten und Schaltzentralen (wir erinnern uns: alles völlig nach Wunsch). Wir fragen Bundesernährungsminister Christian Schmidt einfach, ob er uns Erfahrungen und Tipps aus der Zivilen Notfallreserve geben kann, welche Nahrungsmittel sich einzulagern lohnen und eignen.

Waffentraining könnte zumindest ich zwar noch gebrauchen. Denn siebzehn Kopfschüsse direkt hintereinander hinterm Rücken unterm Bein durch im Kopfstand traue ich mir zwar noch nicht zu. Aber an der unbedingten puren hasserfüllten Gewaltbereitschaft soll es bei mir nicht mangeln. Die schlummert schon seit Jahren in mir und wartet nur darauf, einmal nützlich sein zu können. Denn oberster Leitspruch: Keine Gewalt ohne zivilgesellschaftlichen Nutzen!

Ich bin überzeugt, dass das gut wird. Schier awesome. Die Awesomeness ist geradezu messbar in Konfetti. Hat überhaupt schon einmal irgendjemand versucht, die Zombie-Apokalypse mit vollem Beschuss aus der Konfettikanone zu bekämpfen? Forschungsantrag: „Evaluierung der Möglichkeit der Zurückschlagung des Angriffes wahlweise Domestizierung von Untoten durch Beschuss mit Buntpapier aus Druckluftkanonen“.

Ich würde Dir noch gerne drei, vier Dinge sagen:

  1. Willst Du noch mit rauf kommen auf ’nen Kaffee?
  2. Erzähl mir mehr von Dir!
  3. Wir könnten Freunde werden.

Ich hole schon mal die Helikopterschlüssel und die Crackpfeife. Kommst Du mit?

(teilweise erschienen in HOCH&tief #11)

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Baukräne sind auch meine Lieblingsbaustellentierchen. Oder sollte ich besser sagen Kätzchen?
    Auch die Idee einer urbanen Poolinfrastruktur erfüllt mich mit Freude. Nur dass du „unbedingte pure hasserfüllte Gewaltbereitschaft“ in dir trägst, hmmm…

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